Was Bildbearbeitung kann – und was nicht

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Claudio Heller, der sich bei blueheart um die Bildbearbeitung kümmert

Ein Schattendasein
Als Bildbearbeiter agiert man sozusagen aus dem Untergrund. Nur wenn niemand bemerkt, dass ich etwas gemacht habe, habe ich meinen Job gut gemacht. Das bearbeitete Bild darf nur eins nicht – bearbeitet aussehen! Das ist besonders dann eine Herausforderung, wenn es an Zeit, Budget oder Bildqualität mangelt. Der Auftrag ist meist klar und der Kunde hat eine konkrete Vorstellung. Doch jedes Bild ist anders, hat seine eigenen Lichtverhältnisse, seine eigene Perspektive, die es zu beachten gilt. Und genau das macht es so spannend! Hier sind fünf Aufträge an einen Bildbearbeiter, die einfach klingen, es aber nicht sind.

Reinretuschieren
Eine nicht anwesende Person in ein Gruppenbild einfügen, jemandem einen Helm aufsetzen oder eine knackige Cherrytomate auf der Küchenabdeckung platzieren. Die Person, der Helm oder die Cherrytomate sind erst mal zweitrangig. Viel wichtiger ist das Umfeld: Welche Lichtverhältnisse herrschen? Aus welcher Perspektive wurde das Bild aufgenommen? Wie sind die Grössenverhältnisse? Meine Vergangenheit als Fotograf hilft mir, das Bild zu verstehen. Nur dann kann ich «das Objekt der Begierde» glaubhaft integrieren. Die Krux: Das Objekt muss aus der gleichen Perspektive mit mindestens ähnlichen Lichtverhältnissen aufgenommen worden sein. Manchmal findet man das passende Stockbild – manchmal nicht. Dann heisst es, Helm oder Cherrytomaten besorgen und selbst eine Aufnahme machen. Rein damit ins Bild und fertig? Nein, die eigentliche Arbeit beginnt doch gerade erst! Die zusätzliche Person im Gruppenbild wirft nämlich einen Schatten auf die Person neben ihm, genauso wie der Helm auf das Gesicht des Arbeiters und die Cherrytomate auf die Küchenabdeckung. Erst wenn alles ins richtige Licht gerückt ist, wirkt das Bild stimmig. Selbst der Laie merkt auf den ersten Blick, dass ein Bild nicht «logisch» ist, wenn er auch nicht auf Anhieb sagen kann, woran es liegt.

Rausretuschieren
Stört etwas im Bild, ruft das ebenfalls den Bildbearbeiter auf den Plan. Mich interessiert beim Rausretuschieren allerdings weniger, was raus muss, sondern viel mehr, was rein muss. Ich denke nämlich schon wieder weiter: Was ist hinter dem Objekt, das entfernt wird? Ein Loch ja wohl kaum. Soll eine Steckdose aus einer Wand verschwinden, ist die Antwort einfach: Wand. Doch oft ist die Umgebung komplexer. Natürlich kann ich mir selbst etwas ausdenken – solange das Bild nicht der Wahrheit entsprechen muss. Was aber, wenn die Informationen rund um das zu entfernende Objekt nicht ausreichen, um die Lücke zu füllen? Oder wenn der «Störenfried» so viel verdeckt, dass ich gar nicht wissen kann, was da sein könnte? Dann brauche ich weiteres Bildmaterial, das mir verrät, was sich dahinter verbirgt.

Einfärben
Mal eben einem Auto die Firmenfarbe verpassen – auch das ist ein Spiel mit Licht und Schatten, wenn es echt aussehen soll. Höchst selten ist etwas so einfarbig, wie wir glauben. Das Auto ist nicht überall gleich blau. Die Haube reflektiert das einfallende Licht, im Kotflügel spiegelt sich die Umgebung und der Rückspiegel wirft einen Schatten auf die Seitentür. Autolack und jede andere Oberfläche haben eine Textur, eine Struktur, die dynamisch auf das Licht und die Umgebung reagieren.

Stimmung verändern
Dieser Wunsch wird bei Landschaftsbildern und anderen Aussenaufnahmen geäussert. Doch eine Hügellandschaft, die in der Mittagssonne abgelichtet wurde, kann nicht in romantisches Abendrot getaucht werden, ohne gekünstelt zu wirken. Den Sonnenstand und die damit entstandenen Lichtverhältnisse kann selbst der beste Bildbearbeiter mit der besten Technik nicht verändern. Auch ein Personenporträt in der angeblichen Abendsonne hat eher etwas von einer Smartphone-App als von professioneller Bildbearbeitung. Hier rate ich, das Bild zur richtigen Tageszeit aufzunehmen, um den gewünschten Effekt zu erzielen.

Qualität verbessern
Ein mittelmässiges Personenporträt aus einem privaten Fundus ist eingegangen. Für eine professionelle Aufnahme beim Fotografen reicht die Zeit nicht mehr vor dem Drucktermin. Natürlich gibt es Werkzeuge, um etwas nachzubessern: die roten Augen eliminieren, den Hautton minim optimieren, den Kontrast etwas verstärken oder weicher machen. Ich kann aber aus einer schlechten Aufnahme keine gute machen – das kann nur der Fotograf. Und ich kann aus einem schlecht aufgelösten Bild im falschen Datenformat kein qualitativ hochstehendes machen. Es fehlt die Bildinformation im technischen Sinne, es fehlen schlichtweg die nötigen Pixel. Ein Bildbearbeiter kann also nur retten, was zu retten ist. Am liebsten arbeitet er mit dem unangetasteten Rohformat, das noch alle Bildinformationen enthält. Gerne bin ich bereits beim Shooting dabei und unterstütze bei der Bildregie, um den späteren Bearbeitungsaufwand zu reduzieren.

Bildbearbeitung kann also einiges leisten, darf aber auch nichts erzwingen. blueheart tut das Möglichste – und versucht das Unmögliche – für Ihre perfekte Bildwelt.

Claudio Heller, Multimedia-Producer und digitaler Bildhauer